Karl Clobes zum 100. Geburtstag | Kartäusermuseum Tückelhausen, 07.07. bis 28.10.2012


Über die Ausstellung

Begleitprogramm und Information

Der Maler Karl Clobes hat in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit die mainfränkische Kunst­landschaft, allen voran die kirchliche, geprägt wie wohl kaum ein Zweiter. In mehreren Dutzend Kirchen finden sich Altarbilder, Wandfresken, Mosaiken, Kreuzwege sowie Fenstergestaltungen. Von 1947 bis zum Ende der 1980er Jahre war er ein gesuchter Künstler unter verschiedenen Bischöfen und Diözesanbaumeistern, aber auch von staatlichen und kommunalen Stellen. Mit diesen Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum reiht sich Clobes in die Reihe der klassischen Künstlerviten vergangener Jahrhunderte ein. Dazu traten die im Atelier entstandenen Arbeiten. Diese sind nun in einer Ausstellung im Kartäusermuseum Tückelhausen, am Ort von Karl Clobes erstem Atelier in Franken, aus Anlass seines 100. Geburtstages am 27. Juli zu sehen. Clobes stand ganz bewusst in der Tradition der klassischen Kunstakademien, so bezeichnete er sich zeitlebens als Kunstmaler. Aufgrund seiner Begabung erhielt er vom 10. Lebensjahr an eine Ausbildung im Zeichen- und Malkursus seiner Vaterstadt Kassel. Dort besuchte er auch seit 1926 die Kunsthandwerkerschule und erlernte gleichzeitig das Malerhandwerk.

Ab dem Jahr 1930 studierte er an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin ­Charlottenburg. Sein Lehrer dort war der Würzburger Ferdinand Spiegel. Die junge Hoch­schule war in den Jahren vor 1933 bekannt für ihre künstlerisch offene Atmosphäre. Aus dem Jahr des Studienbeginns hat sich eine Arbeit auf Papier erhalten, die die nervöse Stimmung am Berliner Alexanderplatz einfängt und an Otto Dix denken lässt. Nach einer einjährigen Reise durch Europa und Nordafrika zusammen mit seinem Bruder 1934/35 war er ab 1937 Meisterschüler an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Clobes erlebte dort die Gleichschaltung der Kunstakademien und die Vertreibung des jüdischen und als „entartet“ geltenden Personals. 1941 heiratete er Elisabeth Freitag, die er während des Studiums kennengelernt hatte. In jenen Jahren hielt er sich als Stipendiat an der Villa Massimo in Rom sowie an der Villa Romana in Florenz auf, wo sich unter deren Leiter Hans Purrmann eine relativ freie Insel der Kunst etabliert hatte. Die florentinische Malerei, vor allem die dortigen Freskenzyklen, dürfte einen großen Eindruck auf Clobes gemacht haben, da er selbst später zahlreiche Fresken ausführte. Vor allem in der Marienkapelle von St. Laurentius in Heidingsfeld aus dem Jahr 1959 ist dieser Einfluss noch zu erkennen. Von 1943 – 1945 war Karl Clobes als Soldat im Zweiten Weltkrieg verpflichtet. Währenddessen wurde das junge Ehepaar mehrmals in Berlin ausgebombt, so dass sich leider nur wenige Arbeiten aus seinen frühen Jahren erhalten haben.

Über den ehemaligen Lehrer Ferdinand Spiegel konnte Karl Clobes zusammen mit seiner Frau nach Franken und schließ­lich 1947 in die ehemalige Kartause Tückelhausen übersiedeln, wo er in den Räumen der vormaligen Bibliothek sein Atelier einrichtete. Dieser Wechsel in die Ländlichkeit Frankens scheint dem jungen Paar jedoch nicht schwer gefallen zu sein, da es sich hier später verwurzelt fühlte. In Mainfranken fand Clobes ideale Bedingungen vor, da es kaum junge Künstler gab, die die anstehenden Aufgaben im Wiederaufbau und Neubau von Kirchen hätten übernehmen können. Der Kunstreferent der Diözese, Prälat Eugen Kainz, griff daher gerne auf den akade­misch ausgebildeten Maler zurück. Die Kreuzigung von 1946 aus der Kriegergedächtniskapelle von Dürrfeld bei Schweinfurt mag hier als eine Art „Visitenkarte“ des Künstlers gedient haben. Der erzählende Malstil empfahl ihn auch für historische Kirchen. Erst in der Aufbruchsstimmung unter Bischof Julius Döpfner integrierte Clobes zaghaft moderne Elemente in seine Ar­beiten wie etwa bei dem 1952 entstandenen Altarbild aus dem Würzburger Neumünster. In jenen Jahren wurde der etwa gleichaltrige Architekt Hans Schädel Leiter des Bischöflichen Bauamtes. Mit diesem verband Clobes eine langjährige Zusammenarbeit, die freundschaftlichen Charakter hatte. Seit 1960 löste Richard Schömig Prälat Kainz als Bau- und Kunstreferent ab. Der humanistisch gebildete Prälat, Hans Schädel und Karl Clobes waren auf zahlreichen Reisen quer durch Europa sowie an dessen Rändern zu den Wurzeln der abendländischen Kultur unterwegs. Diese Reisen prägten über Jahrzehnte das freie Schaffen des Malers. Clobes verlieh seinen Reisebildern wie auch seinen Land­schaftsdarstellungengerne einen metaphysischen Unterton, der diese über das tatsächlich Wahrnehmbare hinaus prägte. Einen Dreh- und Angelpunkt bildeten für ihn seine Kriegserfahrungen wie vor allem auch der Verlust seiner Mutter in den Kasseler Bombennächten. In all seinen Arbeiten schwingt daher immer wieder die Sehnsucht nach einer friedvollen und heilen Welt mit, ob im Diesseits oder Jenseits. Umsetzungen von biblischen Themen, interessanterweisevor allem von alttestamentlichen Szenen, prägten sein Schaffen vor allem in den 1980er Jahren stark. In dieser Zeit gewann auch das Licht und die damit verbundene Symbolik zunehmend an Bedeutung für seine Arbeiten. Titel wie „Licht der Schöpfung“, „Wunder des Lichts“ oder „Licht der Hoff­nung“ zeugen noch in den 1990er Jahren von der Zentralität dieses Themas im späten Werk des Künstlers. Im zuletzt genannten Bild aus dem Jahr 1991 verarbeitet er die Geschehnisse um den Golfkrieg.

Die Erfahrungen von Endlichkeit und Tod hat er in einige Gemälde gefasst, die zu den Besten und Farbenfrohesten in seinem Werk gehören, so der „Tod des Popen“, dessen Begräbnis er auf der Insel Kos miterlebt hatte. Seine Farbpa­lette hat sich von seinen frühesten Arbeiten, die noch sehr erdig wirken, bis in die 1950er Jahre zu einer vorherrschend blau­roten Farbigkeit entwickelt, um schließlich in den 1960er Jahren und später recht farbenfroh zu werden. Aufgrund seiner akademischen Ausbildung war Clobes ein gesuchter Porträtmaler, der in Würzburg und Umgebung immer wieder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie auch Menschen aus seinem persönlichen Umfeld und seiner Familie ins Bild gesetzt hat. Die Ausstellung wird in Tückelhausen, am authentischem Ort, Beispiele aus sämtlichen Schaffensphasen und Themenbereichen zeigen, um so ein möglichst umfassendes Bild des Künstlers Karl Clobes entstehen zu lassen.

Wegweiser zu von Carl Klobes gestalteten Kirchen (PDF, 224 KB)
Tückelhausen, Ingolstadt, Ochsenfurt, Bütthard, Riedenheim

Begleitprogramm

Über die Ausstellung

Sonntag 08.07. | 15 UhrFührung

Sonntag 22.07. | 15 UhrFührung

Sonntag 05.08. | 15 UhrFührung

Sonntag 19.08. | 15 UhrFührung

Sonntag 02.09. | 15 UhrFührung

Sonntag 16.09. | 15 UhrFührung

Sonntag 30.09. | 15 UhrFührung

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist vom 07.07. bis 28.10. jeweils samstags und sonntags
von 14 bis 17 Uhr sowie an den beiden Feiertagen 15.8. und 3.10. ebenfalls
von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Preise

Einzelkarte 2 €
Ermäßigt 1,50 € (Schüler, Studenten, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, jeweils mit Berechtigungsausweis; Gruppen ab 10 Personen)
Führungen (Gruppen bis 25 Personen): 30 € + 1,50 € pro Person

Lage

Tückelhausen liegt oberhalb von und gehört zu Ochsenfurt. Es ist über die Bundesstraßen 19 (Abfahrt bei Giebelstadt) und 13 (Abfahrt in Ochsenfurt) zu erreichen. Ein Besuch der Museen in Würzburg lässt sich leicht mit einem Ausflug nach Tückelhausen verbinden. Die Fahrzeit dorthin beträgt etwa 25 Minuten. Klicken Sie auf den Anfahrtsplan rechts, um ihn zu vergrößern und auszudrucken.

Informationen und Buchung von Gruppenführungen

Museen der Diözese Würzburg
Kiliansplatz
97070 Würzburg
Telefon 0931- 386 65 600 und 0931- 386 65 601
Telefax 0931 - 386 65 609
museen@bistum-wuerzburg.de